Tuina / CMT
Tuina verbindet Akupunkturprinzipien mit differenzierten manuellen Techniken.
Mehr erfahrenTuina – weit mehr als Massage
Tuina ist keine standardisierte Wellnessmassage, sondern eine medizinisch fundierte Form der manuellen Regulationstherapie.
Eine Besonderheit dieser Therapieform besteht darin, dass Akupunkturpunkte und Leitbahnen nicht nur mit Nadeln, sondern mit geschulten Händen stimuliert werden. Man kann sie deshalb als eine Fortsetzung und Vertiefung der Akupunktur mit den Händen verstehen.
Hier weiterlesenText einklappen
Die gezielten manuellen Reize wirken über Haut, Bindegewebe, Muskulatur und Reflexmechanismen auf das vegetative Nervensystem. Mithilfe des Heidelberger Modells der Chinesischen Medizin und der United Systems Biology – USB können wir diese Wirkungen heute auch physiologisch verstehen und gezielter einsetzen.1
Über die Leitbahnen („Meridiane“) und ihre Akupunkturpunkte wirkt Tuina auf das Gesamtsystem Mensch und tief in die Leib-Seele-Einheit hinein. Sie zielt darauf ab, die Wiederherstellung der körperlichen Homöostase zu unterstützen und die seelische Autoregulation zu fördern.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Lokalisation der Beschwerden, sondern vor allem das systemische Verständnis ihrer Ursachen und der damit verbundenen emotionalen Dysbalance. Hier wirken die westliche Medizin, die funktionelle Systemdiagnose der Chinesischen Medizin und manuelle Sorgfalt zusammen, um Sicherheit und Behandlungserfolg zu steigern.
In China ist die Chinesische Manuelle Therapie ein eigenständiges Studienfach mit mehrjähriger Ausbildung.2
Die Weltgesundheitsorganisation hat zudem eigene Maßstäbe für Ausbildung, sichere Anwendung und Behandlungsqualität der Tuina veröffentlicht.3
Wir vermitteln Ihnen auf Anfrage gut ausgebildete Ärzte und Therapeuten und beraten Sie im Rahmen unserer Möglichkeiten auch persönlich. Mehr erfahren
Wir bieten Ihnen auch eine fundierte Ausbildung an. Mehr über die Tuina-Ausbildung erfahren
Tuina verstehen
Die Chinesische Manuelle Therapie wird meist verkürzt als Tuina bezeichnet. Ihr vollständiger chinesischer Name lautet jedoch Tui Na An Mo. Er verweist auf vier Grundkomponenten, aus denen sich mehr als 60 unterschiedliche manuelle Techniken ableiten.4
Diese Techniken werden je nach Körperregion, Art der Beschwerden und individuellem Befund ausgewählt und miteinander kombiniert. Die einzelnen Griffe folgen daher keinem starren Schema. Ihre Auswahl richtet sich nach der medizinischen Beurteilung, der funktionellen Systemdiagnose der Chinesischen Medizin und dem individuellen Tastbefund.
Hier weiterlesenText einklappen
Auf der Grundlage des Heidelberger Modells der Chinesischen Medizin und der daraus entwickelten United Systems Biology – USB lassen sich die Wirkungen dieser Techniken heute auch physiologisch einordnen. Tuina beeinflusst Haut, Bindegewebe, Muskulatur, vegetative Reflexmechanismen und emotionale Reaktionen. Dadurch können die manuellen Reize gezielter eingesetzt und auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt werden.
Zu diesem Verständnis hat wesentlich beigetragen, dass die früher als „Meridiane“ bezeichneten Leitbahnen heute genauer als neurosensorische Organe innerhalb der Regulation des Gesamtorganismus beschrieben werden können. Diese aus dem Heidelberger Modell der Chinesischen Medizin hervorgegangene Vorstellung wurde auch in das von Ying Xia herausgegebene amerikanische Springer-Lehrbuch zur modernen Akupunkturforschung aufgenommen. Ein eigenes Kapitel trägt dort den Titel „Meridians – Neurosensory Organs Within the System of Homeostatic Regulation“.5
So entsteht eine hochdifferenzierte Therapie, die in vielen Fällen die Wirkung der Akupunktur ergänzen und vertiefen kann. Häufig werden Tuina und Akupunktur miteinander kombiniert, um die besonderen Vorzüge beider Methoden miteinander zu verbinden.
Tuina und Akupunktur sind daher keine Gegensätze, sondern eng miteinander verwandte Verfahren innerhalb einer großen Familie chinesischer Heilmethoden. Viele Historiker und Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Akupunktur aus frühen Formen der manuellen Behandlung heraus entwickelt hat. Historisch betrachtet kann Tuina deshalb als der „große Bruder“ der Akupunktur bezeichnet werden: älter in ihrer Entwicklung, unmittelbar mit den Händen ausgeführt und bis heute eng mit den Leitbahnen und Akupunkturpunkten verbunden.
Die vier Grundtechniken zeigen bereits, wie differenziert Tuina wirkt: Tui arbeitet vor allem mit Rhythmus und Vibration, Na mit Anheben und Dehnung, An mit Druck und vegetativer Stimulation und Mo mit kreisender Gewebeverschiebung sowie der Bewegung eingelagerter Flüssigkeit.
Natürlich sind diese vier Grundtechniken nur die zentralen Bausteine, aus denen sich die bereits erwähnten mehr als 60 Techniken ableiten, die das Wesen der Tuina maßgeblich prägen.
Jeder Schmerz ist so individuell wie der Patient selbst. Deshalb müssen auch die eingesetzten Methoden präzise auf den einzelnen Menschen abgestimmt werden. Ein starres Behandlungsschema wird dieser Individualität häufig nicht gerecht. Entscheidend sind vielmehr die sorgfältige Diagnostik, die richtige Auswahl und Kombination der Techniken und vor allem gut geschulte Hände, denen man sich als Patient vertrauensvoll anvertrauen kann.
Bei welchen Beschwerden diese differenzierte Behandlung besonders häufig eingesetzt wird, zeigen die folgenden Anwendungsgebiete. Anschließend werden die vier Grundtechniken ausführlicher erläutert.
Wo wirkt die Chinesische Manuelle Therapie – Tuina?
Die Chinesische Manuelle Therapie kann bei sehr unterschiedlichen Beschwerden eingesetzt werden. In der zentralen Lehrpraxis für Chinesische Medizin in Heidelberg wird sie häufig mit anderen Verfahren der Chinesischen Medizin kombiniert.
Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates
Hier weiterlesenText einklappen
Verspannungen
Fehlstellungen der Wirbelsäule
Fehlstellungen der Rippen
Beschwerden der großen Gelenke
rheumatische Beschwerden
Neurologische Beschwerden
Lähmungserscheinungen
Funktionsstörungen peripherer Nerven an Armen und Beinen
Gangstörungen
Parkinson-Syndrome
Polyneuropathien
Komplexe Beschwerdebilder
Schmerzen
Erschöpfungszustände
Stress
Beschwerden im Zusammenhang mit Angst und depressiver Verstimmung
Tui, Na, An und Mo – vier unterschiedliche Regulationswege
Die vier Grundtechniken Tui, Na, An und Mo wirken nicht auf dieselbe Weise. Sie setzen unterschiedliche mechanische und sensorische Reize und können dadurch verschiedene physiologische Reaktionen auslösen. An diesen Beispielen wird deutlich, dass Muskelspannungen, Schmerzen und funktionelle Störungen über unterschiedliche Regulationswege differenziert behandelt werden können.
Tui – rhythmische Bewegung und Vibration
Hier weiterlesenText einklappen
Tui bezeichnet das Schieben und Ausstreichen entlang einer Körperregion oder Leitbahn. Die Bewegung geht häufig mit einer feinen rhythmischen Vibration des Gewebes einher. Dadurch entsteht für die unbewusste Körpersteuerung durch das vegetative Nervensystem ein regelmäßiger Wechsel von Zug und Entlastung.
Dieser wiederkehrende Reiz kann eine reflektorische Loslassreaktion fördern, den Muskeltonus vermindern und zu einer vegetativen Beruhigung beitragen. Tui wirkt damit vor allem über Rhythmus, Bewegung, Vibration sowie den Wechsel von Zug und Entlastung.
Na – Anheben und Dehnen
Na bewirkt die Entspannung dagegen vor allem durch Dehnung und ohne die für Tui typische Vibration. Dabei werden Haut, Unterhaut und die darin verlaufenden Leitbahnen sanft angehoben.
Durch dieses behutsame Erfassen und Anheben der Gewebestrukturen entsteht ein gezielter Dehnungsreiz, der eine Loslassreaktion fördern und den Muskeltonus vermindern kann. Na wirkt damit vor allem durch sanftes Anheben und gezielte Dehnung der Gewebestrukturen.
An – gezielter Druck und vegetative Stimulation
An bezeichnet das Drücken und Halten. Dabei wird mit Finger, Handballen oder einem anderen geeigneten Handbereich ein gezielter, meist ruhender Druck auf einen Akupunkturpunkt, einen Leitbahnabschnitt oder eine schmerzhafte Geweberegion ausgeübt.
An bewirkt eine vegetative Stimulation des behandelten Gewebes, auf die das Zentralnervensystem ebenfalls mit einer Loslassreaktion antworten kann. Im Vordergrund steht dabei die Anregung erschöpfter, schmerzhafter Gewebe, deren nervale Versorgung und Regulation vermindert erscheinen. In der Chinesischen Medizin wird ein solcher Zustand als Mangel an Qi beschrieben; westlich lässt er sich als unzureichende vegetative und neuronale Stimulation des Gewebes verstehen.
Mo – kreisende Gewebeverschiebung und Flüssigkeitsbewegung
Mo wirkt durch sanfte, meist kreisende Bewegungen, bei denen Haut und Unterhaut über dem Fasziengewebe verschoben werden. Auch dabei entstehen Dehnungs- und Bewegungsreize, die eine reflektorische Entspannung unterstützen können.
Eine Besonderheit dieser Technik besteht darin, dass eingelagerte Flüssigkeit, etwa bei einem Ödem, in Bewegung gebracht werden kann. In der Chinesischen Medizin wird eine solche Ansammlung als Humor bezeichnet. Durch die kreisende Gewebeverschiebung können Schwellungen vermindert, der Lymphfluss unterstützt und die Mikrozirkulation wieder angeregt werden.
Westlich lässt sich dies als lokale Wirkung auf Flüssigkeitsverteilung, Gewebedruck, Lymphabfluss und Mikrozirkulation verstehen. Die Behandlung erfolgt dabei auch über Akupunkturpunkte, die nicht nur als Reflexpunkte, sondern als besonders sensible sensorische Strukturen aufgefasst werden können.
Die vier Techniken zeigen, dass Muskelspannungen, Schmerzen und funktionelle Störungen über unterschiedliche Regulationswege differenziert behandelt werden können: Tui durch Rhythmus und Vibration, Na durch Anheben und Dehnung, An durch Druck und vegetative Stimulation sowie Mo durch kreisende Gewebeverschiebung und die Bewegung eingelagerter Flüssigkeit.
Zur wissenschaftlichen Datenlage
Die wissenschaftliche Datenlage zur alleinigen Behandlung mit Tuina ist bislang begrenzt. Gleichzeitig liegen zahlreiche klinische Erfahrungen und Anwendungsbeobachtungen vor, die den Einsatz bei den genannten Beschwerden stützen.
Da bei Tuina und Akupunktur dieselben Akupunkturpunkte behandelt werden, ist davon auszugehen, dass vergleichbare Punkte auch über unterschiedliche Reizformen therapeutisch wirksam angesprochen werden können.
Hier weiterlesenText einklappen
Wir haben bereits dargestellt, dass Tuina als eine Vertiefung der Akupunkturwirkung verstanden werden kann. Insofern gehen wir sowohl theoretisch als auch aufgrund der praktischen Erfahrung davon aus, dass die Chinesische Manuelle Therapie in vielen Fällen insgesamt sogar eine stärkere Wirkung erzielen kann.
Ihre vollständige Anwendung ist allerdings vergleichsweise aufwendig. Deshalb sind Kombinationsbehandlungen mit Akupunktur in der Praxis häufig.
Dennoch dürfen die Ergebnisse aus Akupunkturstudien nicht ohne Weiteres vollständig auf Tuina übertragen werden. Deshalb führen wir ergänzend Literaturangaben an, welche die Wirkungen der verwendeten Akupunkturpunkte, die physiologischen Grundlagen und die genannten Anwendungsbereiche veranschaulichen und wissenschaftlich unterstützen.
Klinische Forschung ist nicht Grundlagenforschung
Auch manuelle Therapien müssen klinisch erforscht werden. Grundlagenforschung untersucht, über welche Rezeptoren, Nervenbahnen, Gewebestrukturen und physiologischen Mechanismen eine Behandlung wirken kann. Klinische Forschung fragt dagegen, ob eine Therapie am Krankenbett tatsächlich hilft: Vermindert sie Schmerzen? Verbessert sie Beweglichkeit, Funktion oder Lebensqualität? Und ist der beobachtete Erfolg größer als bei einer geeigneten Kontrollbehandlung?
Warum die Erforschung manueller Therapien schwierig ist
Tuina ist keine einheitliche Standardbehandlung, sondern eine individuell angepasste Therapie. Auswahl, Stärke, Geschwindigkeit, Richtung und Kombination der Griffe richten sich nach der medizinischen Beurteilung, der funktionellen Systemdiagnose der Chinesischen Medizin und dem individuellen Tastbefund. Wird allen Studienteilnehmern dasselbe starre Griffprogramm gegeben, lässt sich die Studie zwar leichter durchführen; sie bildet dann aber möglicherweise nicht mehr die eigentliche, individuell ausgerichtete Tuina-Behandlung ab.
Tuina wissenschaftlich untersuchen
Jede Studie ist nur so gut wie ihre Kontrollen
Für eine wissenschaftlich belastbare Untersuchung wird eine geeignete Kontrollbehandlung benötigt. Sie soll der tatsächlichen Therapie möglichst ähnlich sein, ohne deren spezifische Wirkung vollständig auszulösen.
Gerade bei manuellen Therapien ist dies schwierig. Auch eine scheinbar unspezifische Berührung, ein leichter Druck oder eine Behandlung an einer anderen Körperstelle kann bereits körperliche und vegetative Reaktionen hervorrufen. Eine ungeeignete Kontrollbehandlung kann deshalb die Unterschiede zwischen Behandlungs- und Kontrollgruppe verkleinern oder das Ergebnis verfälschen.6
Jede Studie ist nur so gut wie ihre Kontrollen.
Der Goldstandard klinischer Forschung
Als Goldstandard der klinischen Forschung gilt die prospektive, randomisierte und möglichst doppelt verblindete kontrollierte Studie.
Prospektiv: Die Untersuchung wird im Voraus geplant und nach einem festgelegten Studienprotokoll durchgeführt.
Randomisiert: Die Teilnehmenden werden nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungs- oder Kontrollgruppe zugeteilt.
Verblindet: Die Patienten oder zumindest die Personen, welche die Ergebnisse beurteilen, kennen die Gruppenzuordnung nicht.
Doppelt verblindet: Weder die Patienten noch die Untersuchenden, welche die Ergebnisse erfassen, kennen die Gruppenzuordnung.
Bei einer manuellen Therapie kann der behandelnde Therapeut kaum darüber verblindet werden, welche Technik er ausführt. Möglich sind jedoch eine Verblindung der Patienten gegenüber der angenommenen spezifischen Behandlung, eine unabhängige verblindete Ergebnismessung und eine sorgfältig entwickelte Kontrollbehandlung.
Wirkung muss messbar werden
Die subjektive Einschätzung des Patienten ist wichtig, reicht allein aber häufig nicht aus. Neben Schmerzskalen und Fragebögen sollten – abhängig vom Krankheitsbild – möglichst auch objektive oder funktionelle Messgrößen einbezogen werden: Bewegungsumfang, Muskelkraft, Gangqualität, Gleichgewicht, neurologische Funktionen, Druckempfindlichkeit, Arbeits- und Alltagsfähigkeit oder der Verbrauch zusätzlicher Schmerzmittel.
Zwei Studienbeispiele aus dem Masterstudiengang der Universität Porto
Im Masterstudiengang für Chinesische Medizin an der Universität Porto wurden solche methodischen Anforderungen in klinischen Studien aufgegriffen. Das Studienprogramm war mit dem Heidelberger Modell verbunden und diente dazu, Methoden der Chinesischen Medizin mit prospektiven, randomisierten und kontrollierten Studiendesigns zu untersuchen.
Arbeitsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen bei Orchestermusikern
Hier weiterlesenText einklappen
In einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten und einfach verblindeten Studie wurden professionelle Orchestermusiker mit arbeitsbedingten Muskel- und Skelettbeschwerden untersucht.
Orchestermusiker eignen sich für solche Untersuchungen besonders gut, weil sie über viele Stunden dieselben hochpräzisen und repetitiven Bewegungen ausführen und zugleich unter erheblichem Leistungs- und Aufführungsdruck stehen. Im Heidelberger Modell wird diese Belastung besonders mit der Wandlungsphase Holz und einer verstärkten Spannung von Muskeln und Sehnen verbunden. Solche funktionellen Spannungszustände können erhebliche Beschwerden verursachen, ohne in der üblichen Labor- oder apparativen Diagnostik eindeutig sichtbar zu werden.
Vergleichbare arbeitsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen finden sich jedoch nicht nur bei Musikern. Sie treten beispielsweise auch bei Kassiererinnen, Fließbandarbeitern, Bildschirm- und Callcenter-Beschäftigten, Chirurgen und zahlreichen anderen Berufsgruppen auf. Orchestermusiker bilden deshalb eine besonders gut untersuchbare, meist sehr kooperative Gruppe, an der sich solche Belastungsfolgen exemplarisch erforschen lassen.
In der Behandlungsgruppe wurden nach chinesischer Diagnose individuell ausgewählte Akupunkturpunkte mit Tuina-Techniken behandelt. Die Kontrollgruppe erhielt eine manuelle Stimulation an unspezifischen Hautstellen. Damit wurde versucht, Aufmerksamkeit, Berührung und Behandlungssituation zwischen beiden Gruppen möglichst vergleichbar zu gestalten.
Nach einer einzigen Behandlung berichteten 91,8 Prozent der spezifisch behandelten Musiker über eine Schmerzverminderung, gegenüber 7,9 Prozent in der Kontrollgruppe. Zugleich illustriert die Studie die besonderen Herausforderungen der Tuina-Forschung: Die Behandlung musste individuell ausgewählt, aber dennoch wissenschaftlich kontrollierbar und vergleichbar durchgeführt werden.7
Tuina und Qigong bei Prüfungsangst von Schulkindern
Eine weitere Arbeit aus dem Masterstudiengang der Universität Porto untersuchte Qigong und Tuina zur Kontrolle von Prüfungsangst bei Grundschulkindern.8
Diese Studie zeigt, dass klinische Forschung nicht nur Schmerzen und Bewegungsfunktionen erfassen kann. Auch vegetative und emotionale Reaktionen können mit geeigneten Messinstrumenten wissenschaftlich untersucht werden.9
Für die endgültige Darstellung sollten Teilnehmerzahl, Kontrollgruppe, Messinstrumente, Studiendesign und Ergebnisse aus der vollständigen Arbeit ergänzt werden. Diese Angaben liegen in der derzeitigen Übersicht noch nicht ausreichend vor und werden deshalb nicht geschätzt.
Forschung muss die Methode angemessen abbilden
Die wissenschaftliche Erforschung der Tuina darf sich weder auf allgemeine Erfahrungsberichte beschränken noch die Methode durch ein zu starres Behandlungsprotokoll ihres individuellen Charakters berauben. Eine gute Studie muss beides miteinander verbinden: eine ausreichend standardisierte und kontrollierbare Behandlung sowie die diagnostisch begründete Anpassung an den einzelnen Patienten.
Ausbildung und sichere Praxis
In China ist die Chinesische Manuelle Therapie ein eigenständiges Studienfach mit mehrjähriger Ausbildung.2
Die Weltgesundheitsorganisation hat zudem eigene Maßstäbe für Ausbildung, sichere Anwendung und Behandlungsqualität der Tuina veröffentlicht.3
Wir bieten Ihnen auch eine fundierte Ausbildung an.
Ausgewählte Literatur
- Greten HJ, Chinesische Medizin als vegetative Systembiologie. Teil I: Therapeutische Verfahren. HNO. 2011;59(12):1160–1164. doi:10.1007/s00106-011-2409-6↩
- World Health Organization. WHO Benchmarks for the Training of Tuina. Geneva: World Health Organization; 2021. ISBN 978-92-4-001798-6↩
- World Health Organization. WHO Benchmarks for the Practice of Tuina. Geneva: World Health Organization; 2021↩
- Greten HJ, Kursbuch Traditionelle Chinesische Medizin, Thieme, Stuttgart – New York, 3. Aufl. 2017, 692 S. ISBN 978-3-13-121663-2↩
- Yang C, Ghanad E, Correia N, Kirch S, Machado J, Maimer A, et al. Meridians – Neurosensory Organs Within the System of Homeostatic Regulation. In: Xia Y, Hrsg. Advanced Acupuncture Research: From Bench to Bedside. Cham: Springer; 2022:297–310↩
- Boutron I, Altman DG, Moher D, Schulz KF, Ravaud P; CONSORT NPT Group. CONSORT Statement for Randomized Trials of Nonpharmacologic Treatments: A 2017 Update and a CONSORT Extension for Nonpharmacologic Trial Abstracts. Ann Intern Med. 2017;167(1):40–47↩
- Sousa CM, Moreira L, Coimbra D, Machado J, Greten HJ. Immediate effects of Tuina techniques on working-related musculoskeletal disorder of professional orchestra musicians. J Integr Med. 2015;13(4):257–261. doi:10.1016/S2095-4964(15)60181-9↩
- Magalhães OJR. Qigong e Tuina no controlo da ansiedade antes dos exames em crianças do 1.º ciclo. Masterarbeit. Porto: Instituto de Ciências Biomédicas Abel Salazar, Universidade do Porto; 2016↩
- von Trott P, Wiedemann AM, Lüdtke R, Reißhauer A, Willich SN, Witt CM, et al. Effects of qigong on performance-related anxiety and physiological stress functions in transverse flute music schoolchildren: a feasibility study. J Chin Integr Med. 2012;10(8). doi:10.3736/jcim20120805.↩