Akupunktur

Deutsche Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin e.V.

Akupunktur

Akupunktur ist eine der weltweit am häufigsten angewandten Methoden der Chinesischen Medizin. Die WHO hat ihre klinische Forschung historisch ausgewertet und 2020 internationale Maßstäbe für Ausbildung, sichere Praxis und Qualität veröffentlicht.

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Akupunktur – weit mehr als das Setzen von Nadeln

Akupunktur wirkt auf die „Steuerungssoftware“ von Körper und Seele.

Nach westlichem Medizinverständnis wird diese Steuerung wesentlich durch das sogenannte vegetative Nervensystem vermittelt. Es kann Funktionen in Organen und Geweben aktivieren oder dämpfen und trägt damit entscheidend zum funktionellen Gleichgewicht des Körpers – der Homöostase – bei.

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Akupunktur wirkt über gezielt ausgelöste Reflexe auf dieses unterbewusst arbeitende Regulationssystem. Damit beeinflusst sie nicht nur zahlreiche Körperfunktionen, sondern auch unsere Tiefenemotionen und ganz wesentlich unser Lebensgefühl.

Jede Medizin ist nur so gut wie ihre Diagnose. Je genauer die Diagnose, desto gezielter und wirksamer kann die Therapie sein. Das gilt auch für die Akupunktur. Entscheidend ist nicht, dass Nadeln einfach irgendwo gesetzt werden, sondern welche Punkte individuell ausgewählt und wie sie miteinander kombiniert werden.

Hinter der Akupunktur steht keine vormittelalterliche Elementenlehre, sondern ein logisch aufgebautes System der funktionellen Systembiologie.

Es beschreibt, wie körperliche Funktionen, vegetative Steuerung und seelische Reaktionen miteinander verbunden sind. So entstehen neue therapeutische Zusammenhänge, durch die sich bewährte Behandlungen überraschend sinnvoll und gezielt ergänzen lassen. Erst dieses Verständnis macht aus dem bloßen Nadelsetzen eine präzise und individuell begründete Therapie.

Studien zeigen, dass der Behandlungserfolg deutlich und messbar steigt, wenn die Punkte auf der Grundlage der systemischen Diagnostik ausgewählt werden. Gegenüber einer schematischen Behandlung konnten Beschwerden bei bestimmten Krankheitsbildern messbar und signifikant gebessert werden; der Behandlungserfolg wurde dabei nahezu verdoppelt.1

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie Sie eine wirklich qualifizierte Akupunkturbehandlung finden, oder wenn Sie selbst eine wissenschaftlich fundierte und systematische Tätigkeit in diesem Bereich entwickeln möchten, beraten wir Sie gerne.

Warum Akupunktur mehr ist als eine Nadeltechnik

Die Stärke der Akupunktur liegt in der Verbindung von Diagnose, Punktwahl und gezielter Regulation. Ihre Reflexpunkte können über das vegetative Nervensystem körperliche Funktionen, Schmerzverarbeitung, Durchblutung und emotionale Reaktionen beeinflussen.

Entscheidend ist dabei nicht ein beliebiger Hautreiz. Erst die individuell begründete Auswahl und Kombination der Punkte macht aus dem Nadelsetzen eine gezielte medizinische Therapie.

Ärztliche Untersuchung als Grundlage einer individuellen Behandlungsplanung

United Systems Biology – was ist das?

Medizin verbinden. Systeme verstehen.

United Systems Biology bezeichnet eine gemeinsame wissenschaftliche Grundlage westlicher und Chinesischer Medizin. Sie verbindet die präzise Erfassung struktureller, molekularer und biochemischer Veränderungen mit der systematischen Beurteilung funktioneller Regulationsvorgänge.

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Die westliche Medizin beschreibt Organe, Gewebe, Zellen und molekulare Prozesse mit großer Genauigkeit. Die Chinesische Medizin ergänzt diese Sicht durch ein Modell, das untersucht, wie vegetative, emotionale, humorale, immunologische und zelluläre Regulationsvorgänge zusammenwirken.

Beide Perspektiven können dadurch gezielt miteinander verbunden werden. Es entsteht ein umfassenderes Verständnis des Menschen, das sowohl die Erkrankung als auch den individuellen Regulationszustand berücksichtigt.

Das Heidelberger Modell als Grundlage

Das Heidelberger Modell übersetzt wesentliche Begriffe und diagnostische Zusammenhänge der Chinesischen Medizin in die Sprache moderner Physiologie und funktioneller Systembiologie.

Begriffe wie Qi, Xue, Yin und Yang werden dabei nicht nur philosophisch oder bildhaft verstanden. Sie werden als technische Begriffe aufgefasst, die unterschiedliche Vorgänge und Zustände der menschlichen Regulation beschreiben.

Diese physiologische Übersetzung entmystifiziert die Chinesische Medizin. Sie macht ihre diagnostischen Aussagen nachvollziehbar, ihre therapeutischen Entscheidungen begründbar und ihre Ergebnisse wissenschaftlich überprüfbar.

Pulsdiagnostik im ärztlichen Gespräch

Die Diagnose verbindet beide Medizinformen

Eine qualifizierte Akupunktur beginnt mit einer vollständigen medizinischen Beurteilung. Die westliche Diagnostik klärt strukturelle Erkrankungen, Risiken und mögliche Gefahren. Ergänzend wird untersucht, welche funktionellen Regulationsmuster beim einzelnen Menschen im Vordergrund stehen.

Vier Bausteine der chinesischen Diagnose

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  • Konstitution – Der funktionelle Grundtyp und die individuelle Reaktionsweise eines Menschen.

  • Agens – Äußere oder innere Krankheitsauslöser und belastende Einflüsse.

  • Orbis oder Funktionskreis – Das aktuell hervortretende funktionelle Muster mit seinen körperlichen, vegetativen und emotionalen Zeichen.

  • Leitkriterien – Die Einordnung der Befunde in die regulative Gesamtsituation des Organismus.

Erst aus dem Zusammenspiel dieser vier Bereiche ergibt sich die therapeutische Strategie. Sie bildet die Grundlage für die individuelle Auswahl und Kombination der Akupunkturpunkte.

Funktionskreise – keine Organe im westlichen Sinn

Die Chinesische Medizin unterscheidet zwölf miteinander verbundene Funktionskreise. Sie tragen Namen wie Leber-, Herz-, Lungen- oder Nieren-Funktionskreis, dürfen aber nicht mit den entsprechenden anatomischen Organen gleichgesetzt werden.

Ein Funktionskreis beschreibt eine Gruppe charakteristischer körperlicher, vegetativer und emotionaler Zeichen. Seine Bezeichnung nimmt Bezug auf eine Leibregion, die bei Aktivierung des betreffenden Regulationsmusters besonders wahrnehmbar oder symptomatisch werden kann.

Funktionskreise beschreiben damit nicht einfach einzelne Organe, sondern funktionelle Zusammenhänge innerhalb des Gesamtsystems Mensch.

Vier Bereiche der Grundregulation

Die Leitkriterien erfassen vier zentrale Bereiche der menschlichen Regulation:

  • vegetative Steuerung und Funktionskraft

  • Mikrozirkulation und humorale Regulation

  • Abwehr- und Schutzvorgänge

  • Stabilität und Regulation des Funktionsgewebes

Diese vier Bereiche bilden eine Art Grundordnung der chinesischen Physiologie. Sie helfen dabei, Symptome nicht isoliert zu betrachten, sondern in ihrer Bedeutung für das gesamte Regulationssystem zu verstehen.

Was bedeutet das für die Akupunktur?

Für die Akupunktur bedeutet United Systems Biology: Die Punkte werden nicht nach einem starren Schema ausgewählt. Die westliche Diagnose, der individuelle Regulationszustand und die chinesische Funktionsdiagnostik werden gemeinsam berücksichtigt.

So lässt sich genauer bestimmen,

  • welche Reflexpunkte behandelt werden

  • welche Funktionen aktiviert oder gedämpft werden sollen

  • wie die Punkte miteinander kombiniert werden

  • und wie die Behandlung im Verlauf angepasst werden muss.

Die Akupunktur wird dadurch von einer bloßen Nadeltechnik zu einer systematisch begründeten und individuell gesteuerten Therapie.

Fachliteratur zur wissenschaftlichen Einordnung der Chinesischen Medizin

Akupunktur wissenschaftlich untersuchen

Warum Standardschemata oft zu kurz greifen

Eine westlich definierte Erkrankung kann sich aus Sicht der funktionellen chinesischen Diagnostik in mehrere unterschiedliche Subgruppen gliedern. Dieselbe westliche Diagnose kann also auf verschiedenen Fehlsteuerungsmustern beruhen und deshalb unterschiedliche Akupunkturbehandlungen erfordern.

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So können beispielsweise Rückenschmerzen mit derselben westlichen Diagnose je nach Art, Ausstrahlung, Begleitsymptomen und Wahrnehmung des Patienten unterschiedlichen funktionellen Zuständen entsprechen. Eine einzige westliche Diagnose kann sich dadurch in vier, sechs oder mehr chinesische Funktionsmuster aufteilen.

Das Problem der Non-Responder

Wird allen Patienten mit derselben westlichen Diagnose eine einzige feste Punktkombination gegeben, profitieren möglicherweise vor allem diejenigen, deren funktionelles Muster zu dieser Behandlung passt.

Andere erscheinen dann als Non-Responder, obwohl nicht die Akupunktur als solche versagt hat, sondern die gewählte Punktkombination für ihre funktionelle Subgruppe ungeeignet war. Dadurch können gute Behandlungsergebnisse in Studien statistisch abgeschwächt oder überlagert werden.

Studiendesigns für individuelle Akupunktur

Um dieses Problem zu berücksichtigen, wurden besondere Untersuchungs- und Studiendesigns entwickelt. Sie beziehen die funktionelle Diagnostik und die daraus abgeleitete individuelle Punktwahl in die wissenschaftliche Prüfung ein. So lässt sich genauer untersuchen, welchen Anteil die diagnostisch begründete Auswahl der Punkte am Behandlungserfolg hat.

Jede Studie ist nur so gut wie ihre Kontrollen

Ebenso wichtig ist die Qualität der Kontrollbehandlung. Verblindungs- und Doppelverblindungsverfahren sollen verhindern, dass Erwartungen, Suggestionen oder Placeboeffekte das Untersuchungsergebnis wesentlich beeinflussen.

Nicht alle Studien verwenden dabei genau dieselbe Form der Doppelverblindung. Grundsätzlich wurden jedoch bereits mehrere Erkrankungen und Indikationen mit verblindeten oder doppelt verblindeten Studiendesigns untersucht.

Das Heidelberger Doppelverblindungsmodell wurde entwickelt, um die Wirkung der Akupunktur unter streng kontrollierten Bedingungen genauer zu erfassen und zu quantifizieren.

Ruhiger medizinischer Behandlungsraum

Untersuchte Erkrankungen und Indikationen

Schmerzen bei Kniegelenksarthrose

Bei Schmerzen infolge einer Kniegelenksarthrose wurde untersucht, welchen Einfluss eine systemische Diagnostik und die darauf beruhende individuelle Punktwahl auf den Behandlungserfolg haben. Dabei zeigte sich eine messbare und signifikante Verbesserung; gegenüber einer schematischen Behandlung wurde der Behandlungserfolg nahezu verdoppelt.1

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Rückenschmerzen

Auch bei Rückenschmerzen wurde die Wirkung einer diagnostisch begründeten Akupunktur untersucht. Dabei ist besonders bedeutsam, dass dieselbe westliche Diagnose unterschiedlichen funktionellen Fehlsteuerungsmustern entsprechen und deshalb verschiedene Punktkombinationen erfordern kann.2,3,4

Gangqualität und Mobilität älterer Menschen

Die Gangunsicherheit älterer Menschen entsteht häufig aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Untersucht wurde, ob Akupunktur die Gangqualität, Stabilität und funktionelle Mobilität positiv beeinflussen kann.5

Allergische Rhinitis und „verstopfte Nase“

Bei allergischer Rhinitis wurde die Wirkung der Akupunktur auf Beschwerden wie eine verstopfte Nase und die Reaktion auf Allergene untersucht. Auch hier kamen kontrollierte beziehungsweise verblindete Studiendesigns zum Einsatz.6

Polyneuropathie

Die Polyneuropathie ist eine häufige Erkrankung, für die bislang nur begrenzte nachhaltige Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Die Akupunkturbehandlung nach dem Heidelberger Modell wurde insbesondere durch Sven Schröder und seine Arbeitsgruppe an der Universität Hamburg untersucht. Dabei liegen sowohl unverblindete als auch teilweise verblindete Untersuchungen vor. Die Studien befassen sich unter anderem mit Sensibilitätsstörungen, Schmerzen, neurologischen Funktionen und der längerfristigen Entwicklung der Beschwerden.7,8,9

Rheumatische Erkrankungen der Hände

Bei rheumatischen Erkrankungen der Hände wurden Schmerzen, Beweglichkeit und funktionelle Einschränkungen unter Akupunktur untersucht. .10.11,12 ,13,14

Wirkung genauer erfassen

Diese Untersuchungen zeigen, dass Akupunktur nicht nur anhand subjektiver Eindrücke beurteilt werden muss. Je nach Krankheitsbild können Schmerzen, Beweglichkeit, Gangqualität, Nasenatmung, Sensibilität und weitere funktionelle Ergebnisse mit geeigneten Messverfahren erfasst werden.

Verblindete und doppelt verblindete Studiendesigns tragen dazu bei, spezifische Wirkungen der Akupunktur von Erwartungs-, Suggestiv- und Kontexteffekten zu unterscheiden. Dadurch lässt sich die therapeutische Wirkung genauer quantifizieren und wissenschaftlich belastbarer beurteilen.

Wo kann Akupunktur besonders gut helfen?

Akupunktur wird bei zahlreichen Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt. Besonders gut untersucht ist sie bei Schmerzen und funktionellen Störungen sowie bei Beschwerden, an deren Entstehung die vegetative Regulation, die Muskelspannung oder die körpereigene Schmerzverarbeitung eine wichtige Rolle spielen.

Ein WHO-Bericht aus dem Jahr 2003 wertete kontrollierte klinische Studien aus und ordnete zahlreiche Anwendungsgebiete nach der damaligen Evidenzlage. Diese historische Auswertung ist eine wichtige Orientierung, stellt aber keine aktuelle pauschale WHO-Empfehlung für jede einzelne Erkrankung dar. Die heutigen WHO-Dokumente konzentrieren sich vor allem auf Qualitäts-, Ausbildungs- und Sicherheitsstandards.

Schmerzen und Bewegungsapparat

Zu den häufigsten Einsatzgebieten gehören Rücken-, Nacken-, Schulter- und Knieschmerzen, Ischiasbeschwerden, Tennisellenbogen, Muskelverspannungen, postoperative Schmerzen und bestimmte rheumatische Beschwerden. Eine genaue Diagnose ist wichtig, weil hinter derselben westlichen Diagnose unterschiedliche funktionelle Muster stehen können.

Kopfschmerzen und Migräne

Akupunktur wird bei wiederkehrenden Spannungskopfschmerzen und Migräne eingesetzt. Die Behandlung kann neben der Schmerzverarbeitung auch Muskelspannung, vegetative Übererregung, Schlaf und individuelle Auslöser berücksichtigen. Neue oder ungewöhnlich starke Kopfschmerzen müssen zuvor ärztlich abgeklärt werden.

Übelkeit und Erbrechen

Akupunktur wurde unter anderem bei Übelkeit und Erbrechen nach Operationen, während einer Chemotherapie und in der Schwangerschaft untersucht. Sie kann eine bestehende ärztliche Behandlung ergänzen, ersetzt aber keine notwendige medikamentöse oder medizinische Versorgung.

Allergische Rhinitis

Bei allergischer Rhinitis kann Akupunktur als ergänzende Behandlung eingesetzt werden. Sie kann auf Nasenatmung, Schleimhautreaktion und vegetative Regulationsvorgänge einwirken. Eine sorgfältige Allergiediagnostik und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung bleiben erforderlich.

Menstruationsbeschwerden

Bei schmerzhaften Regelblutungen kann Akupunktur eine ergänzende Möglichkeit sein. Voraussetzung ist, dass mögliche organische Ursachen zuvor medizinisch abgeklärt wurden.

Funktionelle und vegetative Beschwerden

Akupunktur kann besonders interessant sein, wenn das Ausmaß der Beschwerden nicht allein durch einen strukturellen Befund erklärt wird – zum Beispiel bei funktionellen Muskel- und Schmerzsyndromen, bestimmten Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen, stressabhängigen Beschwerden oder vegetativer Unruhe.

Begleitbehandlung

Akupunktur kann begleitend eingesetzt werden, um Schmerzen, Übelkeit oder andere belastende Begleitsymptome zu lindern. Sie behandelt dabei nicht automatisch die zugrunde liegende schwere Erkrankung und darf eine notwendige Operation, medikamentöse Therapie oder andere medizinische Behandlung nicht ersetzen.

Wann sind gute Ergebnisse besonders wahrscheinlich?

  • wenn eine klare westlich-medizinische Diagnose vorliegt

  • wenn gefährliche Ursachen ausgeschlossen wurden

  • wenn die Beschwerden grundsätzlich durch Akupunktur beeinflussbar sind

  • wenn die funktionelle Diagnose sorgfältig erhoben wird

  • wenn die Punkte individuell ausgewählt werden

  • und wenn der Behandlungsverlauf regelmäßig überprüft wird.

Nicht irgendein Nadelreiz entscheidet über den Erfolg, sondern die Verbindung aus richtiger Diagnose, geeigneter Punktwahl und fachgerechter Durchführung.

Medizinischer Fachvortrag im Rahmen einer qualifizierten Ausbildung

Akupunktur lernen – internationale Maßstäbe für eine qualifizierte Ausbildung

Akupunktur lässt sich nicht allein durch das Auswendiglernen von Punktlokalisationen erlernen. Eine verantwortungsvolle Anwendung erfordert Kenntnisse der westlichen Medizin, der chinesischen Diagnostik, der physiologischen Grundlagen, der Behandlungstechnik und der Patientensicherheit.

Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte 2020 aktualisierte Benchmarks für die Ausbildung und für die praktische Durchführung der Akupunktur. Sie dienen als internationale Referenz, anhand derer Ausbildungsprogramme, Behandler und Praxisstandards verglichen, bewertet und gegebenenfalls akkreditiert werden können.

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Unterschiedliche Ausbildungswege

Die WHO-Benchmarks unterscheiden drei Ausgangsgruppen:

  • Menschen ohne medizinische Vorbildung

  • Personen mit Ausbildung in einem traditionellen Medizinsystem

  • Angehörige der konventionellen westlichen Medizin.

Je nach Vorbildung sind vollständige oder angepasste Ausbildungswege sowie grundlegende und fortgeschrittene Kompetenzstufen vorgesehen.

Was eine qualifizierte Ausbildung enthalten sollte

  • medizinische und anatomische Grundlagen

  • Grundlagen der Akupunkturtheorie

  • Punktlokalisation und Leitbahnen

  • diagnostische Verfahren und Behandlungsplanung

  • Indikationen, Kontraindikationen und Sicherheitsaspekte

  • praktische Nadeltechniken

  • Hygiene und Infektionsprävention

  • Erkennung und Behandlung unerwünschter Ereignisse

  • Dokumentation und Patientensicherheit

  • klinische Ausbildung unter Anleitung.

  • Medizinische Vorbildung ersetzt nicht die Akupunkturdiagnostik

Ärztinnen und Ärzte verfügen bereits über wesentliche Kenntnisse in Anatomie, Physiologie, Pathologie, Diagnostik und Notfallmedizin. Deshalb kann ihre Akupunkturausbildung an diese Vorbildung angepasst werden.

Die medizinische Vorbildung ersetzt jedoch nicht die systematische chinesische Diagnostik. Für eine individuell begründete Punktwahl müssen auch Funktionskreise, Leitkriterien, Konstitution, Krankheitsauslöser und die Regeln der Punktkombination erlernt werden.

Ausbildung und sichere Praxis gehören zusammen

Die WHO behandelt Ausbildung und praktische Anwendung in zwei aufeinander bezogenen Benchmark-Dokumenten. Qualifikation besteht damit nicht nur im theoretischen Wissen, sondern auch in sicherer Durchführung, geeigneter Hygiene, fachgerechter Dokumentation und dem Erkennen medizinischer Risiken.

Unser Ausbildungsverständnis

Eine qualifizierte Akupunkturausbildung soll dazu befähigen,

  • medizinische Risiken zu erkennen

  • eine vollständige Diagnose zu erstellen

  • die physiologischen Zusammenhänge zu verstehen

  • Punkte individuell auszuwählen

  • Behandlungsergebnisse kritisch zu beurteilen

  • und Akupunktur sinnvoll mit der westlichen Medizin zu verbinden.

United Systems Biology – USB

Medizin verbinden. Systeme verstehen.

Auf dieser Grundlage wird Akupunktur nicht als isolierte Nadeltechnik vermittelt, sondern als Bestandteil einer systematisch begründeten, sicheren und individuell ausgerichteten Medizin.

Beratung und Vermittlung

Sie haben Fragen zur Akupunkturbehandlung, zur wissenschaftlichen Einordnung oder zur Ausbildung? Im Rahmen unserer Möglichkeiten beraten wir Sie gerne telefonisch oder per E-Mail. Bei individuellen medizinischen Fragen vermitteln wir qualifizierte Ärztinnen und Ärzte sowie anerkannte Akupunkturtherapeutinnen und -therapeuten.

Telefon: 06221 302039

Ausgewählte Literatur

  1. Karner M et al, Objectifying specific and non-specific effects of acupuncture: A double-blinded, randomised trial in osteoarthritis of the knee. Evid Based Complement Alternat Med, 2013, http://dx.doi.org/10.1155/2013/427265 (IF 4,774)
  2. Seca S et al, Diagnosis and Objective Pain Assessment of Traditional Chinese Medicine May Be Useful to Demonstrate Specific Effects of Acupuncture in Low Back Pain – A Prospective, Randomized, Controlled and Single-Blinded Pre-Study. J Acupunct. Tuina Sci 2013, 11(3): 155-159, doi 10.1007/s11726-013-0679-0
  3. Duarte A, Acute Effects of Acupuncture in chronic low back pain. A prespectiv, randomized, controlled and double-blind study. Master Thesis at Porto University, 2012
  4. Hamza F, Immediate Effect of Acupuncture on Post-Operative Pain After Lumbar Surgery, Master Thesis at Porto University, 2015
  5. Hauer M et al, Stimulation of Acupoint St 34 Acutely Improves Gait Performance in Geriatric Patients During Rehabilitation: A Randomized Controlled Trial. Arch Phys Med Rehabil 2011 Jan;92(1):7-14 (IF 2011: 2.282)
  6. Sertel S et al, Acupuncture for Nasal Congestion: A Prospective, Randomized, Double Blind, Placebo-Controlled Clinical Study. Am J Rhinol Allergy. 2009, 23(6)
  7. Schröder S et al, Acupuncture Treatment Improves Nerve Conduction in Peripheral Neuropathy. European Journal of Neurology 2007, 14: 276-281
  8. Schröder et al, Quantification of Acupuncture Effects on Peripheral Neuropathy of Unknown and Diabetic Cause by Nerve Conduction Studies. J. Acupunct. Tuina Sci. (2008),6: 312-314
  9. Meyer-Hamme et al, Electrophysiologically verified effects of acupuncture on diabetic peripheral neuropathy in type 2 diabetes: The randomized, partially double‐blinded, controlled ACUDIN trial. J Diabetes 2021. DOI: 10.1111/1753-0407.13130
  10. Seca S et al, Evaluation of the effect of acupuncture on hand pain, functional deficits and health-related quality of life in patients with rheumatoid arthritis – A study protocol for a multicenter, double-blind, randomized clinical trial. J Integr Med. 2016 May;14(3):219-27. doi: 10.1016/S2095-4964(16)60254-6.
  11. Seca S et al, The effectiveness of acupuncture on hand pain, physical function and health-related quality of life in patients with rheumatoid arthritis: a systematic review protocol, JBI Database System Rev Implement Rep. 2016 May; 14(5): 18-26. doi: 10.11124/JBISRIR-2016-002543
  12. Fernandes M et al, Effect of acupuncture on hand pain in patients with rheumatoid Arthritis – Clinical research protocol. Experimental Pathology and Health Sciences, 2016;8 (2) 125-130
  13. Seca S et al: Effectiveness of acupuncture on pain, functional disability and quality of life on rheumatoid arthritis of the hand – results of a double-blind randomized clinical trial. J Altern Complement Med – Published Online: 16 Oct 2018 https://doi.org/10.1089/acm.2018.0297
  14. Seca S et al, Effectiveness of Acupuncture on Pain, Physical Function and Health-Related Quality of Life in Patients with Rheumatoid Arthritis: A Systematic Review of Quantitative Evidence. J Integr Med. 2018 Dec 19. doi: 10.1007/s11655-018-2914-x.

Ergänzende Grundlagenquellen

  • World Health Organization. Acupuncture: Review and Analysis of Reports on Controlled Clinical Trials. Geneva: WHO; 2003.
  • World Health Organization. WHO benchmarks for the training of acupuncture. Geneva: WHO; 2020.
  • World Health Organization. WHO benchmarks for the practice of acupuncture. Geneva: WHO; 2020.
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